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Taijiquan

Kampfkunst und Meditation, Selbsterkenntnis und universales Verständnis, entspannte Wahrnehmung und absolute Stärke.

So gegensätzlich wie sich die Aspekte, Erscheinungsformen und Selbsterfahrungen im Taijiquan nach außen darstellen, so allumfassend einheitlich und daraus vollkommen natürlich einfach und selbstverständlich gestaltet sich das individuelle persönliche Üben. So befinden sich die Aspekte der Selbstverteidigung in harmonischer Ergänzung mit dem meditativen Charakter der Übungen und der Kultivierung der inneren Energiearbeit.

Taiji, die chinesische Philosophie der sich ewig ergänzenden und einander bedingenden Gegensätze von Yin und Yang, basiert auf der Harmonisierung dieser Gegensätze, so dass Körper, Geist und Seele in Einklang gebracht werden. So ist das Verständnis, das Wahrnehmen und Erfahren von Taiji die natürliche Grundlage des Taijiquan, der Kampfkunst in Harmonie mit Yin und Yang.

Die Wirkungsweise von Yin und Yang ist in der Übungspraxis des Taijiquan erfahrbar als Öffnen und Schließen, Leere und Fülle, Einatmen und Ausatmen, Festigkeit und Weichheit, Ausdehnen und Zusammenziehen, Nachgeben und Angreifen, usw.

Taiji ist Wandel; ist fortwährende Veränderung und Entwicklung. Nichts ist von Dauer, alles ist ein ewiges Fließen. Loslassen von Steifheit, Leerwerden, zum Ursprung zurück, zur Spontaneität, zum natürlichen Handeln. So ist Taijiquan weder starres System noch Methode, sondern vielmehr ein Medium, eine Möglichkeit, sich gegenüber einer ganzheitlichen Selbstwahrnehmung und Selbsterfahrung zu öffnen.

Eine natürliche Offenheit, die sich in körperlicher Entspannung und dadurch ganzheitlicher Bewegung sowie geistiger Ungezwungenheit und dadurch ungetrübter Wahrnehmung ausdrückt, ist als selbstverständliches Ganzes die Voraussetzung jeden Trainings, eines grundlegenden Verständnisses, der wirklichen Meisterschaft - ein aus der Natürlichkeit heraus zuzulassendes ganzheitliches Verstehen und Handeln.

Taijiquan und Gesundheit

Taijiquan ist in den letzten Jahrzehnten auch außerhalb Chinas immer bekannter und beliebter geworden. So wie es heute im Westen häufig praktiziert wird, kann man es sich am ehesten als "taoistische Meditation in Bewegung" vorstellen, die Körper, Geist und Seele harmonisiert. Da die Bewegungen zumeist langsam, entspannt und fließend ausgeführt werden, steht heute für viele Menschen der Aspekt der Entspannung, Vitalität und Gesundheit beim Ausüben dieses "inneren Boxens" im Vordergrund. Das Verständnis des Taijiquan als Kampfkunst ist und bleibt aber die wirkliche Grundlage für seine ganzheitliche Wirkung. Nur wenn sich geistige Ruhe und Klarheit, sowie die Beherrschung der inneren Lebensenergie (Qi) mit der Fähigkeit einer entspannten und spontan explosiven Bewegung verbinden, kann der Übende Taijiquan gleichermaßen als effektive Kampfkunst und wirkungsvolles Gesundheitstraining für sich erfahrbar und nutzbar machen.

Die Funktionen der Systeme von Nerven, Atmung, Kreislauf, Knochen, Sehnen, Gelenken, Muskeln und Verdauung werden alle im selben Moment angeregt und reguliert. Somit können Bluthochdruck, Herz- und Kreislauferkrankungen, Erkältungen, muskulären Verspannungen u.v.m. mit Erfolg vorgebeugt und behandelt werden. Ruhig und langsam harmonisiert Taijiquan Geist und Körper. Durch den fließenden Wechsel von Spannung und Entspannung wird Muskulatur, Herz und Kreislauf gestärkt, der Stoffwechsel angeregt und natürliche Gelenkigkeit und Flexibilität erhalten und gefördert. Daher lässt sich durch regelmäßige Praxis des Taijiquan das eigene Wohlbefinden deutlich verbessern. Das bewusstere Erleben und Wahrnehmen, sowie eine entspannte Ausgeglichenheit und gesteigerte Vitalität wecken Freude am Leben. Der Schlaf wird gesünder und die Köperkraft wird durch die inneren Aspekte der harmonischen Bewegungen gesteigert. Weiterhin fördert die angeregte Durchblutung den Stoffwechsel und die Selbstreinigung der Haut. Der Übend e fühlt sich lebendiger und gewinnt zunehmend spirituelle Einblicke in die Zusammenhänge des Lebens.

Form und Kampf

Das Üben der Formen im Taijiquan wird durch einen körpereigenen Rhythmus bestimmt. Er ist in seiner Art nicht vorgeschrieben und fördert die Aufmerksamkeit, das Verständnis von Yin und Yang und steigert die Lebendigkeit. Yin und Yang bilden zusammen das Gleichgewicht. Dies geschieht in Bewegung, in ständigem Wechsel und Strömen. Die Bewegungsabfolge gleicht dem Ziehen der Wolken, dem Fließen des Wassers, gepaart mit explosivem Freiwerden der gesamten Körperkraft und Energie. Durch die Bewegungen, die in ihrer Art fließend, rund und spiralförmig sind, wird die Energie bewusst vom Dantien im Zentrum des Unterbauchs aus durch den ganzen Körper bis in die Finger- und Fußspitzen geführt; von dort fließt sie wieder zurück. Diese Verbindung, die Entwicklung von äußerer Kraft und innerer Energie, führt zur Stärkung von Angriff und Abwehr, kann eine enorme Energie freisetzen und ist das "Geheimnis" der umfassenden gesundheitlichen Wirkung, die der Übende des Taijiquan geniest.

Die einzelnen Elemente beinhalten in ihrer Ausführung eine Idee, einen Hinweise, für deren Umsetzung in der Selbstverteidigung. Somit ist das selbstverständliche Zulassen der Taiji-Prinzipien in ihrer Anwendung als ein natürliches Reagieren auf die jeweilige Situation zu verstehen, was den Anwender von der scheinbaren Notwendigkeit eines vorgefertigten Kampfplanes und stereotyper Techniksequenzen befreit. So ist die geistige Leere im Kampf die Grundlage für ein objektives Wahrnehmen der eigenen Persönlichkeit in Verbindung und Einheit mit dem Gegner (dem Gegenüber) und folgend natürlichen Handelns. Schnelligkeit und Effizients entstehen.

 
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